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Willkommen in der Unterschicht.

(Zur Sendung "Hart aber Fair" vom 06.11.2006)

Man hört ja immer wieder in den Medien das Wort „Unterschicht“. Ja aber was meint man denn nun damit? Und vor allem…wie bekommt man diese Unterschicht wieder weg? Dafür habe ich mir am Mittwoch mal so eine politische Diskussionsrunde im WDR angetan. Der reißerische Titel dieser Sendung: Hart aber Fair!

Die Gäste: Renate Schmidt (ehemalige Bundesfamilienministerin der SPD), Walter Wüllenweber (Journalist und Stern-Autor), Kai-Uwe Lindloff (Pastor und Vorsitzender des Kinderhilfsprojektes "Arche" in Berlin), Ronald Pofalla (Generalsekretär der CDU) und unser aller Trucker- und Countrybarde Gunter Gabriel.

Thema der Sendung:
Gestern Ingenieur, heute Hartz IV, morgen Unterschicht.

Nun zuerst einmal grundsätzlich: Was ist arm und wer gehört zur Unterschicht?

Dazu meint uns Nati Schmidt:
Als arm gelten die Menschen, die weniger als 60 Prozent des Durchschnittverdienstes haben.

Ja das ist mal eine ganz tolle Aussage. Und was bitte ist der Durchschnittsverdienst eines in Lohn und Brot stehenden Bundesbürgers? Mit etwas Recherche und unter Bezugnahme meiner Lieblingsmaschine Google finde ich einen statistischen Durchschnittsverdienst von 2.450,00 EUR brutto (und muss lachen). Das macht für einen Single einen Nettoverdienst von ca. 1.600,00 EUR (und ich muss nochmal lachen). 60 % davon sind also ca. 960,00 EUR. Was bekommt noch gleich ein lediger Hartz IV-Empfänger? Bestimmt keine 960,00 EUR. Also würden schon einmal alle ledigen Hartz IV-Empfänger als arm gelten und zur Unterschicht gehören, oder?

Und wie kommt es zu dieser steigenden Armut und Unterschicht?

Kai-Uwe Lindloff, Pastor und Vorsitzender des Kinderhilfsprojektes "Arche", sagt:
Seit der Einführung von Hartz IV nehme die Zahl der Menschen zu, die Hilfeleistungen in Anspruch nehmen müssen, die sie vorher noch umgehen konnten.

Herr Lindloff war meiner Meinung die einzige Person in dieser Runde, die sich eine einigermaßen objektive Einschätzung zum Thema „Armut und Unterschicht in Deutschland“ leisten konnte. Dies liegt sicherlich nicht daran, dass er selbst am Hungertuch nagt sondern vielmehr an seinem Projekt. In diesem Projekt „Arche“ sieht er täglich, was Politiker nur vom Papier und aus Statistiken kennen: Armut und Hunger.

Aber wie geht man nun gegen diese Armut an?

Hier hat Herr Wüllenweber die Lösung, denn er sagt:
Armut könne nicht dadurch behoben werden, indem man - wie es in den vergangenen Jahren in Deutschland der Fall gewesen sei - immer mehr Geld verteile. Vielmehr helfe vor allem Bildung, dieses Problem zu lösen.

Bravo Herr Wüllenweber. Ein fast gelungener Ansatz. Allerdings hat er dabei wohl das Thema der Sendung vergessen. Als Journalist hätte ich ihm eine bessere Recherche zugetraut. Oder sind auf einmal alle arbeitslosen Ingenieure, Architekten, IT-Fachleute, Lehrer, Steuerfachleute usw. verschwunden. Oder hat der gute Walli Wüllenweber mal erforscht, welche Firmen einen Personalfachkaufmann ans Fließband stellen würden?

Den Vogel abgeschossen hatte allerdings Herr Pofalla mit seiner Aussage:
Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Hartz IV-Reform und der derzeitigen Armuts-Entwicklung.

Zu soviel Realitätsverlust lässt sich eigentlich nicht viel sagen außer: Von welchem Planeten kommt er?

Ach ja. Da war doch noch einer! Gunter Gabriel, der von seinem Boss schon vor 20 Jahren mehr Geld wollte.

Mal abgesehen davon, dass er irgendwie wirkte, als käme er direkt von der WDR-Bar ins Studio und vor hatte, seinen Rausch bei einem Studionickerchen auszuschlafen, hatte er nach einer kurzen Aufweckphase doch die Lösung aller Probleme:
Liebe! Alle Menschen sollen sich lieben, dann wird alles gut.

Danke Herr Gabriel. Und nun aber wieder „husch husch“ unter deine Decke.

9.6.07 22:13
 


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